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Abenteuer Deutsche Bahn

Ohne die Deutsche Bahn wäre unser Leben ärmer. Nicht nur, dass man ohne sie öfter und dann wahrscheinlich länger in Staus stehen würde, sondern auch weil man um ein temporäres, wenn auch erzwungenes, soziales Miteinander beraubt würde. Für viele Arbeitnehmer, Manager und Selbstständige ist die Bahnfahrt eine durchaus und auch häufig angenehme Möglichkeit zu einem Geschäftstermin zu kommen und das relativ stressfrei. Manchmal lernt man nette Mitmenschen kennen und häufig kann man sogar während der Fahrt in Ruhe arbeiten.
Ein lieber Kollege hat, wahrscheinlich zur Frustbewältigung, sein Abenteuer Deutsche Bahn geschildert. Nein, es geht dabei nicht um DB-bashing, sondern um die Realität. Er hat mir auch klar gesagt, dass es auch gute, angenehme Fahrten mit der Deutschen Bahn gibt. Aber lesen Sie selbst:

 

Es gibt sie. Diese Tage, auf denen ein Fluch lastet. Die ersten Vorzeichen begegnen einem dann bei der… Deutschen Bahn.

 

"Aufgrund einer technischen Störung…" Ohweih. Wie ich diese Einleitung hasse. Statt ICE gibt es heute ersatzweise nur einen IC. Reservierungssystem ist ausgefallen. Das bedeutet: Sitzplatzmassacker am Morgen. Beim Hetzen über den Bahnsteig dann erst mal den obligatorischen Check der Mitreisenden. Wo muß man mit fremdsprachigen Geschnatter rechnen, wer wird sich mich als Konversationsopfer aussuchen - da bloß nicht einsteigen. Vorsicht ist geboten. Endlich ein vernünftiger Platz. Ein Vierertisch. Sollte der Herrgott ein Erbarmen haben? Zuerst schnell Flankenschutz betreiben: Alles auspacken, Koffer auf den Sitz, Essen verteilen – und jeden mit einem wahnsinnigen Blick anstarren, der nach einem Platz sondierend vorbeimarschiert. Im Geiste dann die Beschwörungsformel endlos wiederholen "geh weiter… geh weiter… geh weiter… Ich bin ein Massenmörder. Geh weiter…".

 

Man wundert sich, können junge Frauen nur verschmuddelte rosa Trainingsanzüge schön finden? Oder gab das Warenangebot des örtlichen Kleidercontainers nicht mehr her? Alles Äußerlichkeiten, aber man kann sich manchen Absonderlichkeiten nicht entziehen.

 

Oh Schreck. Frankfurt Flughafen. Ein kritischer Punkt für jeden Business-Reisenden. Denn jetzt kommen die Privaturlauber. Was hält das Schicksal heute für mich bereit? Der Kegelclub aus dem Ruhrgebiet? Schlimmer. Natürlich. Vier junge Männer. Fußball-Fans mit ausgebeulten Sporttaschen. Ohweih. Was mag der Tag noch bereit halten?

 

Mainz. Das Schlimmste ist vorüber… Hahaha. Zu früh gefreut. Zuerst habe ich nur die großen Koffer gesehen. Dann stehen sie um mich herum und nesteln ihre Reservierungen aus der Tasche. Ich rutsche immer tiefer in den Sitz. Dieser Dialekt. Drei Hausfrauen-Damen mittleren Altes aus dem hinteren Rheingau. Ich versuche mich zu retten, indem ich ihnen erkläre, dass die Reservierung leider alle ungültig sind. Aber der ganze Zug sei ja frei. Sie finden bestimmt etwas Schönes. "Ach Sie haben hier doch bestimmt noch Platz für drei Damen?". Alles in mir schreit nach Gnade. Aber ich habe keine Chance. Auch auf mein nett gemeintes Angebot, dass ich auf ihr Gepäck aufpasse, während sie sich etwas Privateres in Ruhe suchen können, blieb ungehört. Ehe ich mich versah, saß ich eingekeilt zwischen diesen intensiv schnatternden Damen.

 

Kopfhörer und Freddy goes to Hollywood auf voller Lautstärke konnten auch nicht helfen. Was mag in Menschen vorgehen, die sich ernsthaft über Bügeleisen und Katzennamen unterhalten. Auch der ultimative Erkenntnisgewinn über die Ursachen des männlichen Fremdgehens konnte meinen intellektuellen Schmerz nicht lindern.

 

 

 

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Egal wie blöd es aussieht. Es ging nicht anders. Ich nahm alle meine verbleibenden Kräfte zusammen und bin aufgestanden. Entsetzte Blicke der Damen. Eine meinte dann noch scheinheilig grinsend, dass es wohl schwer wäre, zu arbeiten, oder? Ich knurrte sie an, dass es so eine Sache mit der Konzentration sei und ich mir jetzt etwas Ruhigeres suche. Die zweite dann entschuldigend "naja, sie haben es bestimmt nicht mehr soweit, und müssen bald aussteigen". Ich ätzte ein "nein" und trat die Flucht an.

Jetzt sitze ich in irgend einer Ecke. In den Ohren noch immer Freddy auf voller Lautstärke. Und voller Erwartung weiterer Schrecken, denn wir sind noch nicht in Koblenz. Wer weiß, was da noch kommt. Was soll ich sagen, es kommt erstmal "Verehrte Fahrgäste, aufgrund einer Baustelle wird sich unsere Weiterfahrt leider etwas verzögern."

28. August 2015 von Mike Barowski (Creative Consultant)

Veröffentlicht in: Bahn | Berufsleben | Reisen | Wirtschaft